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Bedenklich, Betrachtung, Standpunkt

Eine Frage des Berufsethos

Die Wirren der Umsetzung zur Erlaubniserteilung nach Abs. 8 des § 11 des Tierschutzgesetzes für Hundetrainer kreisen weiterhin im Internet. Und das zurecht. Auch wenn das Thema, aus gegebenem Anlass zurzeit in den Hintergrund geriet, bleibt es weiterhin brisant, wenn auch zunächst vorrangig für die Betroffenen. An sich schon schlimm genug, denn die Betroffenen kämpfen weiterhin um ihre Existenz, die sie sich über Jahre hinweg aufbauten. Noch schlimmer wird es jedoch, wenn die Mitbewerber am Markt (ich benutze beabsichtigt nicht die Bezeichnung „Kollegen“), mit übelsten Methoden versuchen, sich die Konkurrenz vom Halse zu schaffen.

So gruppieren sich Dienstleister in Sachen Mensch und Hund, die sich PRO DOQ Test zu Wort melden. Sie haben diesen fragwürdigen Test bestanden und behaupten nun, dass nur die Hundetrainer diese Form der Überprüfung ablehnen, denen ohnehin jegliche Sachkunde fehle. Ho ho … welch starke Behauptung! Und wie fehlerhaft obendrein. In den meisten Fällen wird umgekehrt ein Schuh daraus. Denn diejenigen, die niemals eine qualifizierte Ausbildung absolvierten, brauchen, dank dieses Tests, auch zukünftig keine. Denn wer den DOQ Test, bestehend aus einem Fragenkatalog, der einfach auswendig gelernt werden kann, eine Befragung (die Ämter nennen es Fachgespräch) und eine Praxisstunde erfolgreich absolviert (den Maßstab setzen externe Mitarbeiter der Ämter an, die meist selbst eine Hundeschule haben und bisher keinen Nachweis über fachliche Kompetenz vorlegen mussten), darf gewerblich arbeiten. Diese Personen dürfen ihren Lebensunterhalt mit der Anleitung „wie kommt Hundebesitzer zu einem gehorsamen Hund“ bestreiten. Und das sogar mit einer schriftlichen Genehmigung von Vater-Staat. Inwieweit der Prüfling das Abgefragte in die Praxis umsetzen kann und ob es zudem konform zum Tierschutzgesetz ist, bleibt dabei ungeklärt.

Der logische Umkehrschluss besagt, dass wer den dreiteiligen Test der Ämter bestanden hat, nicht notwendigerweise auch fachlich qualifiziert sein muss. Vielmehr kann eine fachliche Qualifikation vorausgesetzt werden, wenn ein „Mensch-Hund-Dienstleister“ das derzeitige Prozedere in Sachen Zulassung ablehnt und dennoch seine Genehmigung erhielt. Denn offensichtlich kann er die notwendige Fachkenntnis dokumentieren und muss demnach nicht zu einer Prüfung antreten. Nur leider gibt es von diesen Glücklichen wenige bis gar keine, denn damit verdient das Amt kein Geld. Unterstellung? Üble Nachrede? Nein, ist es nicht. Sollten die Ämter mir das hier vorwerfen, sollen sie mir bitte erklären, wieso ihre externen Sachverständigen, kostenpflichtige Kurse zur Vorbereitung auf die Zulassungskontrolle anbieten und diese Kurse von den Ämtern „ausdrücklich empfohlen“ werden. Und – wenn es keine Geldmacherei ist, wieso kommen auf den Prüfling Kosten zwischen 150 und 1500 Euro (je nach Gutdünken des Amtes, denn offenbar es gibt keinen offiziellen Kostenkatalog) zu?

Eine staatlich verordnete Hygieneüberprüfung im lebensmittelverarbeitenden Bereich liegt bei der Basisüberprüfung (ohne nennenswerte Vorkommnisse) zwischen 30 und 300 Euro – nur mal so, zur Information.

Aber ich schweife ab. Zurück zum Thema:

Apropos Prüfung! In einigen Bundesländern wird die Fachkompetenz tatsächlich geprüft, obwohl die Vet. Ämter weder dazu verpflichtet sind, noch die allgemeinen Verwaltungsvorschriften (AVV) dies vorschreibt. Die AVV geben den Ämtern die Anleitung zur Umsetzung eines Gesetzes – nur so, als Erklärung. Und in der AVV zur Umsetzung der Genehmigungspflicht für gewerbliche Hundetrainer steht drin, dass die Ämter nur diejenigen kontrollieren (nicht prüfen!) sollen, die keine ausreichenden Nachweise zur beruflichen Qualifikation erbringen können. Einfach ausgedrückt: Wer weder eine Ausbildung absolvierte, noch Seminare, Workshops, Vorträge oder Ähnliches besuchte, bzw. wer es nicht schriftlich belegen kann, der soll überprüft werden. Mit keinem Wort ist eine dreiteilige Prüfung erwähnt und schon gar nicht für die Personen, die diese Nachweise erbringen können. Im Gegenteil. Die Personen sollen ihre Genehmigung ohne weiteres erhalten!

Klar ist doch, dass ein Unterschied zwischen „Genehmigung erteilen“ und „Geprüft“ besteht. Auch wenn es dem Leser langweilig erscheint – noch einmal zum besseren Verständnis: das Einzige, was das Gesetz besagt ist, dass Personen, die gewerblich Hunde ausbilden oder Menschen zur Ausbildung ihrer Hunde anleiten, eine Zulassung des zuständigen Veterinäramts benötigen. Nicht mehr und nicht weniger!

Hier sollte die Fragen gestellt werden, was ist eigentlich „Ausbildung“? Grundsätzlich fallen beratende Tätigkeiten nicht in diese Kategorie, denn Beratung ist nicht gleich Ausbildung. Verhaltenstherapie ist nicht gleich Ausbildung. Selbst Anleitungen zur Erziehung und zu Übungen ist nicht gleich Ausbildung – vorausgesetzt, dass jedes, in diesem Falle Mensch-Hund-Team, die Übung nach seiner Prämisse absolvieren darf.

Die Definition von Ausbildung ist alle Lehrmaßnahmen, die dazu führen, dass jemand eine bestimmte Qualifikation erreicht. Das Synonym von Qualifikation ist Ausbildung? Demnach steht in dem Gesetz, dass Personen, die andere MH-Teams qualifizieren, eine Genehmigung brauchen? Qualifizieren für was? Für wen? Worin? Welcher Hundetrainer qualifiziert denn Menschen, einen Hund zu halten?

Es ist doch so, dass Menschen erst dann eine Hundeschule besuchen, wenn sie Probleme mit ihrem Vierbeiner haben. Im günstigeren Fall kommen sie schon vorher, damit keine Probleme entstehen. Im ersteren Fall – es sind bereits Probleme vorhanden – qualifizieren die Hundetrainer dann die Hunde und / oder Menschen für was? Ein unauffälliges Leben in menschlicher Gesellschaft? Das würde bedeutet, dass, sich in ein Sozialsystem einfügen zu können, eine Ausbildung (Qualifikation) voraussetzt. Ach … ?

Und selbst wenn dem so ist, wieso trifft das Damokles-Schwert nur gewerblich arbeitende Hundetrainer? Spielt es keine Rolle, was Hundevereine, deren Obsession tatsächlich die Ausbildung von Hunden ist (siehe Schutzhundeausbildung), im Endeffekt fabrizieren?

Gleichgültig, wie verwirrend sich das ganze nun liest. Fakt ist, wir brauchen keine Zulassungspflicht für gewerblich arbeitende Hundetrainer, sondern eine staatliche Anerkennung für den Beruf der Mensch-Hund-Dienstleister.

Doch das erreichen wir erst, wenn alle, die in der Branche tätig sind, an einem Strang ziehen. Solange es Mitbewerber am Markt gibt, die den Zulassungszirkus nach §11 zur persönlichen Bereicherung nutzen, deshalb PRO derzeitiger Umsetzung agieren, wird sich an dieser Situation nichts ändern. Denn diese Personen unterstützen das Procedere und die Monopolstellung der Ämter.

Und, ganz ehrlich? Diese Mitbewerber sollten sich schämen, denn sie verraten unser Berufsethos. Ihnen geht es, meiner Meinung nach, nicht mehr um Hunde oder ihre Halter, also den Menschen, die dahinter stehen. Ihnen geht es darum, ihre Konkurrenz aus dem Feld zu schubsen, um den größten Teil des Kuchens einzuheimsen. Und weil ich gerade so richtig in Fahrt bin … Weit aus Unehrlicher empfinde ich die Ausbildungszentren, die ihren Absolventen Kurse zur Vorbereitung auf die Prüfung zur Zulassung nach §11 anbieten. Hallo ???

Denkt Ihr Ausbilder auch nach oder habt ihr euren Kopf nur, damit es nicht in den Hals regnet? Damit bekundet ihr den Ämtern, dass eure Ausbildung keine ausreichende Fachkunde vermittelt! Wir peinlich ist das denn?

Doch ich bin zuversichtlich, dass diejenigen, die mit einer aufrichtigen Motivation den Kampf gegen die Ämter bestreiten, erfolgreich sein werden. Die Personen, die für ihren Beruf einstehen, Kollegen kollegial zur Seite stehen und sich solidarisch erklären, werden auch später noch mit einem guten Gefühl ihr Spiegelbild betrachten.

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Diskussionen

6 Gedanken zu “Eine Frage des Berufsethos

  1. solange die kollegeninnen weiterhin den urhebern des ganzen die tür einrennen, um seminare und vorträge zu hören…

    Verfasst von bernd | 17. November 2015, 2:45 pm
  2. Von mir auch vielen Dank für die treffende Zusammenfassung. Auch ich kämpft derzeit noch um meine Gestattung ohne eine Prüfung vom Vet-Amt machen zu müssen. Bisher ist meine Gestattung zwei mal befristet erteilt worden. Jedoch immer mit dem Argument ich müsse noch eine bundesweit anerkannte Prüfung nachlegen. Kurz nach bekanntgabe dieser §11 Geschichte hat man mir noch mitgeteilt, das es bei meiner Erfahrung und meiner Ausbildung überhaupt kein Problem ist die Gestattung zu erhalten. Dann plötzlich wieder alles zurück auf Start. Nicht einmal eine Anerkennung meiner IHK Zertifizierung ist aktuell drin. Meine IHK Zertifizierung habe ich von der IHK Warburg – Kassel, die diese mit der anerkannten in Potsdam abgeglichen haben…..!! Der Wahnsinn. Ich bin auch nicht bereit noch einmal in mein Portemonnaie zu greifen, so dicke hat man es als Hundetrainer dann auch wieder nicht. Die Fortbildungen und Prüfungen die man freiwillig jedes Jahr absolviert um auf dem Laufenden zu bleiben sind schon kostenintensiv genug, nur danach fragt ja wieder keiner!!
    Auch ich bin also mit dem wankelmütigen und teilweise auch selbstherrlichen Verhalten der Vet – Ämter nicht einverstanden und stinksauer!!

    Verfasst von uli | 15. November 2015, 12:45 pm
  3. Sehr, sehr gut und leider auch sehr , sehr wahr!

    Verfasst von Martina Lobenhofer | 13. November 2015, 8:26 pm
  4. Danke für diese Zeilen!
    Die „Macher“ für dieses mehr als fragwürdige Vorgehen sind natürlich längst bekannt und auch der Verlauf der „Gesetzgebung“.
    Mit Tierschutz hat das absolut nichts zu tun!
    Es geht – wie so oft – um Geld und Macht.
    Im Sinne der Hunde? Definitiv nicht!
    Berufsethos – bei mir vorhanden. Das Lebewesen Hund steht immer noch im Vordergrund!
    Das Programm des Konzertmeisters ist bekannt und wird abgelehnt!
    Ich kämpfe weiter…

    Verfasst von Mona Göbel | 13. November 2015, 9:36 am
  5. Danke

    Verfasst von Andrea | 13. November 2015, 7:53 am
  6. Hoffentlich lesen es auch die „richtigen“ Leute. Die nämlich, die der Musik hinterherlaufen und dabei „Hurra“ schreien. Obwohl sie das Programm des Konzertmeisters nicht kennen – oder etwa doch?

    Hat wirklich nur der Stärkere die Macht?

    Und alles unter dem „Deckmäntelchen“ des Tierschutzes.

    Verfasst von Hajo Czirski | 12. November 2015, 1:41 pm

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