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Bedenklich, Standpunkt

Wenn Hunde sterben müssen

Die Tötung der beiden Staffordshire Terrier in Rüsselsheim wird so manchen Leser noch in Erinnerung sein. Ebenso der tödliche Schuss auf den Herdenschutzhund in Mülheim. Beide Fälle lösten heiße Diskussionen über den Schusswaffengebrauch von Staatsbediensteten aus. Und erneut töten Polizeibeamte Hunde. Einen Rhodesien Ridgeback im Berliner Volkspark und einen vermutlich Staffordshire Terrier Mischling in Erfurt.

Der Ridgeback starb, weil sein Hundesitter ihn nicht schnell genug angeleint hatte. Der Rüde rannte auf den Beamten zu. Er fühlte sich bedroht, zog seine Dienstwaffe und erschoss den Hund.

Im zweiten Fall, in Erfurt, wurden die Beamten von einem Passanten verständigt, der einen Streit eines Paares auf offener Straße beobachtete. Der Streit begann zunächst in der Wohnung, wo der Hund seine Besitzerin das erste Mal biss. Als ihr Lebensgefährte die Wohnung verließ, folgte die Frau ihm mit dem unangeleinten Hund. Auf der Straße ging die lautstarke Debatte der beiden weiter, woraufhin der Hund erneut zubiss. Als die Beamten eintrafen, setzt der Hund gerade zu einer weiteren Attacke an. Um diese zu verhindern, machten sie Gebrauch von ihrer Dienstwaffe.

Die Folgen aus jedem einzelnen Fall sind Hasstiraden gegen Polizeibeamte, die sich beruflich dazu verpflichteten, das Wohlergehen der Bürger in Deutschland zu schützen. Sicherlich sollten derartige Praktiken keine grundsätzliche Befürwortung erhalten, insbesondere im Falle des Rhodesien Rüden. Doch wer einmal einen Ridgeback, im gestreckten Galopp auf sich zu hat rennen sehen, weiß, wie bedrohlich dieser Hund wirken kann.

Eine Frage, die einer Vorverurteilung der Polizeibeamten vorangestellt werden sollte, ist: Wer übernimmt die Verantwortung für Hunde, die eine Person, ein Kind oder auch einen anderen Hund verletzen? Jedes Opfer, egal, ob Mensch oder Hund, ist eines zu viel – keine Frage! Das so gut wie immer die Hundehalter das Verhalten der Tiere erst verursachen, ist auch keine Frage.

Im Falle der Rüsselsheimer Hunde, die bereits mehrfach zugebissen hatten, sogar einen Rettungssanitäter, der daraufhin einem weiteren Opfer keine Hilfe mehr leisten wollte / konnte, musste gehandelt werden. Und zwar sofort und nicht erst in ??? Minuten oder Stunden oder wenn denn dann endlich die Besitzer auftauchen.
Und wo waren die Besitzer überhaupt? Wieso ließen sie die Hunde über Nacht alleine in einem fast leerstehenden Ladenlokal? Wäre es nicht die Pflicht der Hundehalter gewesen, sofort zur Stelle zu sein und ihre Hunde unter Kontrolle zu bringen?
Dass die beiden Hunde in dieser Situation nicht in die Kategorie »Kampfschmuser« gehörten, bewiesen sie durch ihre Attacke, inkl. Verletzung, auf eine ihnen bekannte Person.

Wie lange hätten die Beamten noch abwarten sollen, bevor sie reagieren? Eltern, die sich der Vorstellung hingeben, ihr Kind wäre hier zu Schaden gekommen, unterstützen die Vorgehensweise der Uniformierten. Sie hätten viel eher das Recht, Beamte zu verurteilen, erfüllten diese ihre Pflicht nicht und sie müssten ihre Kinder in Krankenhäusern besuchen.

So tragisch und grausam der provozierte Tod eines jeden Hundes ist, die Polizeibeamten sind nicht immer die Schuldigen dabei. Ihre Einsätze sind häufig mit Gefahren für ihr eigenes Leben verbunden. Sie müssen eine Entscheidung fällen – sofort und dürfen nicht warten, wie sich eine Situation entwickelt, wenn Gefahr in Verzug ist.

Hundehalter sollten viel mehr in die Pflicht genommen werden. Wenn sie Hunde halten, von denen sie keine Ahnung haben, über die sie sich kein Wissen aneignen, wenn sie beratungsresistent sind und dann auch noch glauben, zu den Schlauen zu gehören, tragen sie auch die Konsequenzen.

Ein Hundesitter hat sich an die Vorschriften des Gesetzgebers zu halten und seine Schützlinge dort angeleint lassen, wo es Pflicht ist. Ihm obliegt die Aufsicht und Verantwortung der zu Betreuenden. Könnte einer der Hunde eine Gefahr für einen Dritten werden, muss er mit Konsequenzen rechnen, wenn er sie nicht kontrolliert.

In Bezug auf Hunderassen ist klar, dass jeder Hund beißen kann. Doch die Auswirkung eines Bisses von einem Ridgeback, Amstaff oder auch Labrador ist nun einmal gänzlich anders, als von einem kleinen Pudel oder Chihuahua. Und jeder Hundeliebhaber, der behauptet, dass alle Molosserrassen, deren Zuchtgrund eindeutig belegt ist, »nur« schmusen will ist und bleibt im Irrtum.

Diese Hunderassen gehören nicht in unerfahrene Hände – Punktum! Denn genau dann, wenn etwas passiert, bei diesen Hundebesitzern, erhält eine Liste sogenannter gefährlicher Hunderassen erneut ihre Berechtigung.

Es sind nicht die Beamten, die die Hunde entgleisen lassen. Die einzige Aufgabe, die ihnen übertragen wurde, ist die Fürsorge, Sicherheit und das Wohlergehen der Bevölkerung.

Auch ich mag muskulöse Hunde mit breiten Köpfen und glaube an deren liebevolles Wesen. Und auch mich macht es traurig, wenn ich Hunde erlebe, die ihre Grenzen überschreiten. Deren Tötung per Gerichtsverhandlung veranlasst wird, weil sie ein Kind zusammengebissen haben oder ein Polizist sich nicht anders zu helfen weiß, als seine Dienstwaffe zu gebrauchen. Doch ich empfinde auch Traurigkeit für die Menschen, die aufgrund desolater Hundehalter zu ihren Entscheidungen gezwungen werden.

Auf die ausführenden Organe loszugehen ist nicht korrekt und vor allem keine Lösung für derartige Situationen. Wie alles im Leben, haben auch diese Vorfälle zwei Seiten. Jeder, der noch nicht vor eine endgültige Entscheidung gestellt wurde, kann sich glücklich schätzen. Ich möchte niemals in der Haut eines Beamten stecken, der zu entscheiden hat, ob ein Hund durch seine Hand jetzt sterben muss.

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