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Standpunkt

Artgerecht und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen?

Heute bin ich gefragt worden, was ich von Sprühhalsbändern für Hunde halte. Die Frage zunächst ad acta gelegt, holte mich der Gedanke daran später wieder ein. Genau genommen ist das für mich keine wahrhaftige Frage, geschweige denn denke ich über den gebraucht von Sprühhalsbändern nach.

Für mich sind die Fragen: was geht im Kopf eines Hundebesitzers vor, wenn er darüber nachdenkt? Wie können Menschen behaupten, ihr Hund sei ihr bester Freund und gleichzeitig arbeiten sie mit wertfreien und den Hund degradieren (Stark-)Zwangmittel? Welchen Grund haben Hundetrainer, Hunde und / oder Hundebesitzern zu derartigen Hilfsmitteln zu raten oder sie sogar darin zu schulen?, viel wichtiger.

Können wir den Einsatz von Mechanismen zum Zwangsabbruch von Handlungen damit rechtfertigen, dass wir eben nur Menschen sind?

Aber getoppt wird das alles noch mit der Behauptung, es handle sich dabei um eine artgerechte Erziehung und selbstverständlich entsprechen diese Hilfsmittel den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ja, ne, ist klar! Kaum weiss eine Hündin, dass sie demnächst Nachwuchs erwartet, besorgt sie sich einen Clicker, ein Sprühhalsband mit Fernbedienung, ein paar Leckerchen und nicht zu vergessen einen Ball und ein paar Hindernisse, um die Sportlichkeit ihrer Welpen bis zur Perfektion zu generieren. Und was bedeutet in diesem Zusammenhang „nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen“?

Nachdem ich das Internet bis in seine verborgensten Winkel absuchte, kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behauptet: Es gibt in der Hunde Erziehung keine neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, auch wenn sich in der Forschung vieles um das Wesen Hund dreht.

Wer das Jagdverhalten seines Hundes als unerfreulich empfindet, sollte sich ein Pony kaufen. Hunde sind Jäger! Das ist ebenso natürlich, wie das Einfordern von Revier- und Besitzansprüchen oder fremde Artgenossen gänzlich abzulehnen.

Was der Natur des Hunds allerdings nicht entspricht ist, spazieren zu gehen, Bällen, Stöcken oder Kunststoffscheiben hinterher zulaufen, höher – schneller – weiter durch einen Hindernis-Parcours zu hetzen, in gepolsterte Menschen zu beißen, Kommandos auszuführen oder Lohn für die Ausübung von Befehlen zu erhalten. Bei einigen Hunden sieht es so aus, als hätten sie Freude an einigen dieser Tätigkeiten, was ich auch nicht bestreiten möchte. Jedoch entspricht es nicht ihrer Natur. Unsere „besten Freunde“ würden sich ganz sicher eine andere Beschäftigung aussuchen, wenn sie es dürften.

Hunde brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein, Sozialpartner, die ihnen Sicherheit, Schutz, Verständnis, Empathie und sowohl eine sinnvolle, als auch, für einen Beutegreifer, artgerechte Beschäftigung bieten. Sie brauchen Menschen, die gewillt sind, sich ein klein wenig ins hündische zu entwickeln, die ihre Sprache lernen wollen, im besten Fall verstehen können. Die ihnen eine Erziehung zukommen lassen, die sich durch Geduld, Vorbildverhalten und Zeit auszeichnet. Jeder Hund hat sein eigenes Lerntempo und entwickelt sich seinem Charakter entsprechend. Wird die Persönlichkeit des Hundes nicht in Gänze akzeptiert, werden Hunde rasch überfordert, zu früh mit zu verantwortungsvollen Aufgaben betraut oder, schlimmsten Falls, zum „Gehorsam“ gezwungen.

Unsern Vierbeinern sind Pokale, Urkunden und Medaillen egal. Sie genießen es nicht, sich im „Ring“ zu messen, die wenigsten sind Publikumsgeil und Vorführ-Modelle und sie laufen ebenso wenig begeistert gegen Kontrahenten.

Dürfen Hunde ein nahezu artgerechtes Leben führen, dürfen sie sich mit dem natürlich Nahrungserwerb beschäftigen. Verhaltensforscher nennen das „die Anpassung des Lebensraums an das natürliche Verhalten eines Tieres in Gefangenschaft“ – Environmental Behavior Enrichment, kurz EBE. Und ja, unsere Hunde leben in gewisser Weise in Gefangenschaft. Und das sind wisschenschaftliche Erkenntnisse, wenn auch nicht neu.

Bevor hier nun ein Sturm der Empörung ausbricht. Mein Standpunkt ist völlig wertfrei. Jeder soll mit seinem Hund auf seine Weise glücklich werden. Aber bitte ehrlich bleiben und überlegen, ob die Begriffe artgerecht, sinnvoll und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen für die eigene Vorgehensweise in Anspruch genommen werden können.

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Artgerecht und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen?

  1. man sollte hunde mit spass und liebe erziehen!!!

    Verfasst von matgamat1 | 5. Februar 2015, 4:58 pm

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