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Bedenklich, Betrachtung

Und wenn es plötzlich dunkel wird?

Im Zeitalter der multimedialen Kommunikationstechnik ist die Suche nach Informationen und Aneignung von Wissen kinderleicht. Das Internet bietet zig Seiten mit gesammeltem Wissen, Foren zum Meinungsaustausch, Shops, Preisfinder, Rechner, Kalkulatoren, bieten – suchen – finden – kaufen Seiten und und und.
All diese Informationen können drahtlos, also durch die Luft schwirrend, von einem Kontinent zum anderen geschickt werden. Genau betrachtet . . . ja – genau betrachtet. Wie kann diese Technik genau betrachtet werden, wenn sie doch unsichtbar ist? Unvorstellbar, dass Buchstaben, Worte, Bilder, Musik, Zahlen als „Nichts“ durch die Lüfte gleiten. Würden sich diese Informationen in bunten Linien darstellen, wie würde es um unsere Erde herum wohl aussehen?

Und dabei fand ich unser erstes Fern-Kommunikations-Medium, unser erstes Telefon schon beeindruckend. Der Brontosaurus unter den Telefonen; es war hellgrau mit Wählscheibe, einem voluminösen Hörer mit weißer Hör- und Sprechmuschel. Und es funktionierte – immer! Das Menschen sich auf große Entfernung durch einen Plastikhörer hindurch unterhalten können, ohne schreien zu müssen, war für mich als Kind schon eine faszinierende Sache. Und das ist noch nicht einmal ein halbes Jahrhundert her.

Schön war in dieser Zeit, dass miteinander spielen der Kinder in der Nachbarschaft. In Feld, Wald und Wiesen haben wir „Lassie“ oder „Unsere kleine Farm“ nachgestellt, haben an Bachläufen Staudämme oder Hütten im Wald gebaut und in Tümpeln Kaulquappen gefangen. Oder wir haben im Truppen-Übungsgelände der Bundeswehr heimlich nach leeren Patronen gesucht, die unsere Väter letztendlich entsorgen durften. Den ganzen Tag an der frischen Luft, Heim ging es erst, wenn die Sonne unterging.

Die Kinder von heute tragen, passend mit dem Einstieg in den Kindergarten, ihre Smartphones bei sich. Natürlich nur, damit sie ihre Eltern anrufen können, sollte etwas sein. Ihre Eltern anrufen? Weswegen? Was sollte denn sein? Was sollte einem Kind im Kindergarten passieren, das nicht die Betreuerin regeln kann? Haben nicht die KindergärtnerInnen die Telefonnummern der Eltern – für den Fall der Fälle? Und selbst wenn nicht, wäre ein Kindergarten Kind in der Lage, bei einer brenzligen Situation souverän zu handeln und könnte die Eltern anrufen? Ein Kind, das im Kindergartenalter a. brenzlige Situationen einschätzen kann und b. dann rational denkt und handelt, sollte den Kindergarten sofort verlassen. Es würde sich zu Tode langweilen.

Haben sie die Kindergartenzeit überlebt, begleiten ihre Smartphones sie durch die Grundschule – nur für den Fall der Fälle selbstverständlich. Mit dem Übergang in die weiterführenden Schule wird der Gerätebestand durch Spielekonsolen, multifunktionalen MP3 Playern, Tablets und Laptops aufgestockt. Dank der ausgereiften Technik entwickeln die Kids eine neue Sprache. Eine Art Zeichensprache, die nur ihre Generation lesen und verstehen kann. Das Ein-Finger-Tipp-System beherrschen sie in Perfektion und, dank des www und der sozialen Netzwerke, sie sind über alles und jeden bestens im Bilde.

Während unsere Generation zumindest auf die Sportnote im Zeugnis stolz war, gefährdet sie heute eher die Versetzung. Die heutigen Jugendlichen verlernen sich zu bewegen, da sich alles online erledigen läßt. Sie verlernen miteinander zu sprechen, denn eine Message oder SMS ist schneller getippt, als gesprochen. Rechtschreibung? Katastrophal! Rechnen? Warum? Es gibt doch Taschenrechner? Geographie, Biologie, Geschichte, Physik? Wofür gibt es Google und Wikipedia? Okay, aber wie sieht es mit Merken aus, wenn es im Internet recherchiert wurde? Keine Spur! Man weiß doch, wo es zu finden ist.
Bei der zukünftigen Generation sind jetzt schon erschreckende Tendenzen der Ahnungslosigkeit zu erkennen. Freies Reden in einer verständlichen Sprache fällt vielen jungen Menschen immer schwerer. Mit einem Lexikon oder Wörterbuch können sie nur schwerlich etwas anfangen, denn Worte nach alphabetischer Reihenfolge zu ordnen ist bei digitaler Technik unnötig.

Was bringt sie der Menschheit denn nun, die digitale Welt? Werden die zukünftigen Generationen dadurch gebildeter? Fördert sie logische Denkprozesse? Sind die digitalen, weltoffenen Medien wichtig für die Entwicklung charakterfesten Persönlichkeiten?
Und was macht diese Generation, wenn es plötzlich dunkel wird, wenn es irgendwann kein Strom mehr gibt?

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