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Betrachtung

Hundetrainer – Beruf oder Berufung?

Durch die steigende Hundepopulation entwickelt sich der beste Freund des Menschen immer mehr zu einem Wirtschaftsfaktor. Es entstehen neue lukrative Branchen für Hundesitter, Gassi-Geher, Hundefriseure und Tiertherapeuten, aber auch das bestehende Gewerbe, der Einzelhandel profitiert. Die etablierteste Tätigkeit tritt aus ihrem Schattendasein in das strahlende Licht der Öffentlichkeit. Der Hundetrainer avanciert zu dem Traumberuf.
Der Traum mit Hunden zu arbeiten, sein Hobby zum Beruf zu machen, Selbstständig zu sein, veranlasst Hundeliebhaber zur Gründung einer Hundeschule.
Um nun mit dem Hobby Hund seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, werden ein paar Wochenendseminare Ausbildung zum Hundetrainer besucht, um eine Legitimation zu bekommen.
Doch wie sieht die Realität tatsächlich aus? Genügt es tatsächlich, Wochenendseminare zu besuchen, um ein qualifizierter Hundetrainer zu sein? Was macht ein Hundetrainer eigentlich?
Ein Fußballtrainer trainiert Fußball, ein Tennistrainer Tennis u.s.w. Was trainiert ein Hundetrainer? Hunde?
Sind es nicht die Menschen, die Probleme in ihren Hunden verursachen? Sollte es nicht eher „Menschentrainer für Hundebesitzer“ oder „Hundehaltertrainer“ heißen?
Der Begriff „Training“ bezeichnet eine Vorgehensweise zur Perfektionierung von Handlungsabläufen. Bedeutet, die Fähigkeiten des Schülers in einen vorgegebenen Ablauf so lange zu Üben, bis er keine Fehler mehr in der Ausführung macht. Jeder Schüler wird ähnlich oder gleich behandelt, alle sollen das gleiche Ergebnis liefern.

Ein Hundetrainer würde demnach mit jedem Hund so lange eine Übung wiederholen, bis der Vierbeiner nahezu perfekt funktioniert. Bei den Basissignalen wie Sitz, Ablegen, Bei oder Stop kann ich es mir vorstellen. Doch wie ist die Vorgehensweise bei einem unerfüllten Jagdbedürfnis? Bei Distanzproblemen mit Artgenossen? Bei Furcht vor Kindern? Bei ausgeprägter Geräuschempflindlichkeit? Und wie soll ein Training bei traumatisierten Hunden helfen? Hunde mit seelische Wunden brauchen in erster Linie eine Vertrauensperson. Kann Vertrauen trainiert werden? Viele Verhaltensauffälligkeiten entstehen durch mangelhafte Erziehung. Mangelnde Erziehung läßt Hunde ungehorsam werden.
Kann Gehorsam trainiert werden? Ist es nicht so, dass der Gehorsam durch eine adäquate Erziehung entsteht? Trainieren Hundeeltern ihre Welpen im Gehorsam? Oder ist es für die Welpen selbstverständlich, ihren Eltern zu folgen, weil es für sie einen Sinn ergibt?

Aber um mal wieder auf die Eingangsfrage zurück zu kommen. Welche Berufung haben Menschen, um als Hundetrainer zu arbeiten? Fühlen sie sich auserkoren, Menschen anzuleiten Probleme zu lösen? Oder ist es der Wunsch, seinem Leben einen tieferen Sinn zu geben? Hilft es da, das Hobby zum Beruf zu machen?
Wie wäre es, wenn ein Hobbygärtner eine Großgärtnerei eröffnet? Oder ein Häuslebauer ein Bauunternehmen gründet? Oder ein Formel-Eins Fan sich einen Rennwagen kauft und die Autobahn zur Rennstrecke werden lässt?
Ist es wirklich möglich, aus seinem Hobby einen Beruf zu machen? Und wenn ja, ab wann ist die Person ein Profi? Bei hauptberuflicher Tätigkeit oder bereits in nebenberuflicher Ausführung? Wie kann ich nebenbei professionell sein? Würde ich zu einem nebenberuflichen Mediziner gehen? Oder von einem nebenberuflichen Elektriker die neue Verkabelung in meinem Haus machen lassen? Oder würde ich mein Pferd von einem Hobbyschmied beschlagen lassen, der zuvor ein paar Wochenendseminare besucht hat?

Wie gut die Arbeit eines Hundetrainers ist, ist sicherlich nicht davon abhängig, ob er hauptberuflich in dem Job arbeitet. Der Wissenstand, die Ausbildung und die Empathie des Trainers ist sicherlich von größerer Bedeutung. Doch wie ist die Kompetenz zu erkennen oder prüfbar?
Aufschlussreich sind Antworten auf  Warum-Fragen. Beantworten die Trainer die Warum-Fragen freundlich und plausibel? Ober lautet die Antwort „Weil das immer schon so war“? Nimmt er sich Zeit? Oder wimmelt er die Fragenden ab? Gibt er sein Wissen in Gänze preis oder portioniert?

Letztendlich entscheidet wohl ein Hundehalter allein für sich über die Qualität seines Trainers. Dennoch – nicht alle wissen, was sie tun – leider.

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